„Ein grünes Energieband durch Niederbayern“

Freiflächen-PV-Anlagen ökologisch aufwerten - Abgeordnete Loibl und Radlmeier unterstützen

20.05.2021 | Josef Amann | Bodenkirchen.
Solarfeld-Betreiber Andreas Engl (l.) und Imker Stefan Fleischmann (r.) sprachen mit den Landtagsabgeordneten Dr. Petra Loibl und Helmut Radlmeier (beide CSU) über die ökologische Aufwertung von Solarfeldern.
Solarfeld-Betreiber Andreas Engl (l.) und Imker Stefan Fleischmann (r.) sprachen mit den Landtagsabgeordneten Dr. Petra Loibl und Helmut Radlmeier (beide CSU) über die ökologische Aufwertung von Solarfeldern.

Die Vögel zwitschern, Ameisen krabbeln über Totgehölz, eine Eidechse huscht ins Gebüsch – die Freiflächen-Photovoltaik-Anlage von Andreas Engl bei Oberndorf ist ein Naturparadies. Die Landtagsabgeordneten Dr. Petra Loibl und Helmut Radlmeier (beide CSU) sprachen mit Engl und Imker Stefan Fleischmann darüber, wie man wirtschaftliche Interessen mit ökologischen Zielen in der Praxis vereinen kann.

Die Vereinigung von Ökonomie und Ökologie liegt voll im Trend. Gleich ob politische Parteien oder Unternehmen: viele beschwören derzeit diese Einigkeit. Doch wie gelingt die Umsetzung in der Praxis? Welche konkreten Möglichkeiten gibt es und welchen Nutzen kann man als Einzelner, aber auch als Gesellschaft daraus ziehen? Dazu hatte Solarfeld-Betreiber Andreas Engl die Landtagsabgeordneten Loibl und Radlmeier zu sich eingeladen.
Das Solarfeld bei Oberndorf in der Gemeinde Bodenkirchen ist ein Rückzugsort für Flora und Fauna - und zugleich eine Gewerbefläche. Auf 2,5 Hektar produziert Engl Solarstrom und speist ihn ins Netz ein. Gleichzeitig grasen Schafe zwischen den Modulen, die von Obstbäumen und Sträuchern eingehegt sind.

Ziel: Fläche mehrfach nutzen


„Die Fläche ist ein begrenztes Gut. Ziel muss es also sein, sie bestenfalls mehrfach zu nutzen“, betonte Engl. Ihm schwebt daher ein best-practice-Beispiel vor, das andere zur Nachahmung animieren könnte: das „grüne Energieband durch Niederbayern“. Bestehende Freiflächen-PV-Anlagen sollen um die ökologische Komponente erweitert werden, wofür Engl im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und gemeinsam mit der HS Weihenstephan ein Konzept entwickelt hat. Gerade entlang der Autobahnen gäbe es viele passende Anlagen: Allein an der A 92 von Landshut nach Dingolfing hat Engl rund 50 Solarfelder ausgemacht, die man aufwerten könnte. „Dadurch würde man eine Kette von Trittsteinbiotopen schaffen, die zudem auch die vorhandenen Biotope stärken könnten“, erläuterte Engl den Abgeordneten.
Profitieren würden von einem solchen Netz beispielsweise die heimischen Wildbienen: „Bei aller Fürsorge um die Honigbiene wird die Wildbiene oft vergessen“, hielt Imker Stefan Fleischmann aus Dingolfing fest. „Doch gerade sie braucht Unterstützung. Denn Wildbienen fliegen nicht weit. Deshalb brauchen sie nahegelegene Nistplätze. Hinzu kommt, dass sie am Boden nistet. Ackerbau ist für sie daher tödlich“, schilderte Fleischmann.
Deshalb kümmert sich der Bayerische Imkerverband verstärkt um die Wildbienen. Auch am Rande des Solarfelds in Oberndorf steht nun eine „Bienen-Finca“, quasi die Profi-Variante eines Bienenhotels. Dort finden nicht nur Wildbienen Schutz, auf der Rückseite gibt es auch einen eigenen Zugang für Hummeln.

Es geht nur freiwillig

„Mit dem Projekt Grünes Energieband könnte man Landwirtschaft, Naturschutz und wirtschaftliche Einnahmen vereinen“, fasste Engl zusammen. Die Politik müsse dafür den Weg ebnen, damit möglichst viele Solarfeld-Betreiber mitmachen. Denn eines ist Engl besonders wichtig: „So etwas geht nur mit Freiwilligkeit. Mit Vorschriften oder Verboten kommt man nicht weiter. Trotz der ökologischen Aufwertung müsste gleichzeitig der Status als Gewerbefläche erhalten bleiben, um einen Wertverlust der Grundstücke zu vermeiden“, so Engl.
„Unsere Fläche ist endlich, der Bedarf aber steigt und steigt. Eine mehrfache Nutzung ist daher absolut sinnvoll. Mit dem grünen Energieband könnte Niederbayern in Sachen Mehrfachnutzung ein Leuchtturm werden“, so Landtagsabgeordneter Helmut Radlmeier. Auch Petra Loibl sagte ihre Unterstützung zu: „Hier am Solarfeld Oberndorf sieht man, dass es funktioniert. Weitet man das Konzept auf andere Solarfelder aus, so kann dieses Pilotprojekt von Niederbayern aus in ganz Bayern Nachahmer erzeugen“, so Loibl.