„Die Krankheit nach der Krankheit“

Abgeordneter Radlmeier spricht mit Post-Covid-Selbsthilfegruppe

30.12.2021 | Josef Amann
Claudia Oberneder, Gründerin einer Selbsthilfegruppe von Post-Covid-Erkrankten, sprach mit dem Landtagsabgeordneten Helmut Radlmeier (CSU) darüber, wie sehr die Krankheit das Leben der Betroffenen einschränkt.
Claudia Oberneder, Gründerin einer Selbsthilfegruppe von Post-Covid-Erkrankten, sprach mit dem Landtagsabgeordneten Helmut Radlmeier (CSU) darüber, wie sehr die Krankheit das Leben der Betroffenen einschränkt.

Das Atmen fällt ihr nach dem Treppensteigen noch schwer – und auch sonst kommt Claudia Oberneder im Alltag oft an den Punkt, an dem sie einfach eine Pause braucht. Nach einer Corona-Infektion leidet die Landshuterin an der Post-Covid-Krankheit. Um Erfahrungen austauschen und einander zu helfen, hat sie eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Mit dem Landtagsabgeordneten Helmut Radlmeier (CSU) sprach sie über ihre Erfahrungen.

Gleich zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 infizierte sich Claudia Oberneder mit dem Corona-Virus. Es folgten ein Aufenthalt auf der Intensivstation und künstliches Koma. Obwohl die Infektion seit langem überstanden ist, spürt Oberneder die Folgen noch heute. Atembeschwerden, Konzentrations-Schwächen und Kopfschmerzen schränken ihren Alltag ein. Wie ihr geht es vielen: Geschätzt jeder zehnte Corona-Patient leidet unter Langzeitfolgen.
Während der Suche nach Hilfe und Beratung kam Oberneder die Idee, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Ein Problem der Betroffenen: „Uns sieht man die Krankheit nicht an. Das ist bei einem gebrochenen Arm anders. Dennoch haben wir im Alltag zu kämpfen.“

Krankheit muss noch erforscht werden


Doch wo wird einem geholfen? Vor dieser Frage stand auch Oberneder. „Jeder Betroffene sucht Rat und weiß zunächst nicht, wo man ihm helfen kann. Außerdem hilft es vielen, über die Krankheit und ihre Symptome zu sprechen. Genauso gibt es vielversprechende Ansätze, um die Probleme zu lindern. Deshalb habe ich die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen“, schilderte Oberneder. Die Gruppe müsse in der Region noch bekannter werden. Denn: „Je mehr mitmachen, desto größer wird der Erfahrungsschatz und desto besser kann man dem Einzelnen weiterhelfen, indem man beispielsweise Ärzte weiterempfehlen kann“, so Oberneder.

Dieses Wissen müsse man bündeln, waren sich Oberneder und Radlmeier einig. „Die Erfahrungen von Betroffenen können helfen, dass man Post-Covid künftig gezielter behandelt. Noch stehen wir aber vor einer unbekannten Krankheit. Deshalb haben wir 26 Millionen Euro in die Hand genommen, um Corona und Post-Covid in Bayern zu erforschen. Dabei werden auch die Langzeitfolgen und deren Ursachen erforscht“, führte Radlmeier, Mitglied des Landtags-Ausschusses für Gesundheit und Pflege, aus.

„Es kann jeden treffen“


Außerdem müsse man die Behandlungsstrukturen weiter ausbauen, so die einhellige Meinung von Oberneder und Radlmeier. „Post-Covid ist komplex. Das macht auch die Behandlung so schwierig. Als Betroffener tingelt man daher oft von Facharzt zu Facharzt. Ein Ausweg könnte hier die Einrichtung von weiteren zentralen Post-Covid-Ambulanzen an Krankenhäusern sein. Dort hätte man alles vor Ort“, schlug Radlmeier vor.
Wichtig sei auf jeden Fall, dass man neben der Behandlung auch das Bewusstsein stärke, dass diese „Krankheit nach der Krankheit“ jeden treffen könne. „Post-Covid betrifft nicht nur ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen. Ganz im Gegenteil: Viele Betroffene sind gerade einmal Mitte 40, waren zuvor fit, machten Sport und hatten keinerlei Beschwerden“, machte Oberneder deutlich.

Info:
Wer selbst mit den Folgen einer Corona-Infektion zu kämpfen und Interesse an der Selbsthilfegruppe hat, kann sich gerne bei Claudia Oberneder melden. Ihre E-Mailadresse: postcovid-sh@gmx.de